WLAN-Standards im Überblick: Was Wi-Fi 7 gegenüber Wi-Fi 6 wirklich leistet

Kaum ein Bereich der IT-Infrastruktur entwickelt sich so schnell weiter wie die WLAN-Technik. Alle paar Jahre bringt die Industrie einen neuen Standard auf den Markt, der mehr Geschwindigkeit, mehr Kapazität und mehr Stabilität verspricht. Mit Wi-Fi 7 steht bereits die nächste Generation bereit und wirft für viele Unternehmen die Frage auf, ob und wann sich ein Umstieg lohnt.

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche WLAN-Standards es aktuell gibt, was Wi-Fi 7 technisch von seinen Vorgängern unterscheidet und für welche Unternehmen sich die neue Technologie bereits jetzt eignet.

 

WLAN-Standards: Ein kurzer Überblick

WLAN-Standards werden vom IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) unter der Bezeichnung 802.11 veröffentlicht und regeln, wie Geräte drahtlos miteinander kommunizieren: nutzbare Frequenzbänder, Kanalbreite, Modulationsverfahren, Anzahl paralleler Datenströme und die Verteilung der Funkressourcen auf mehrere Clients. Sie sorgen zudem dafür, dass Hardware unterschiedlicher Hersteller zusammenarbeitet.

Jeder neue Standard bringt in der Regel höhere Übertragungsraten, bessere Frequenznutzung und zusätzliche Funktionen für Sicherheit und Stabilität mit sich. Für Unternehmen ist die Wahl des passenden WLAN-Standards aber keine reine Technikfrage. Sondern eine Entscheidung darüber, wie viele Endgeräte zukünftig gleichzeitig stabil arbeiten können, wie reaktionsschnell Anwendungen laufen werden und wie zukunftssicher das Netzwerk insgesamt aufgestellt ist.

WLAN oder Wi-Fi? Umgangssprachlich meinen beide Begriffe dasselbe, technisch nicht. WLAN steht für Wireless Local Area Network und beschreibt das drahtlose Netzwerk selbst. Wi-Fi ist ein Kunstwort der Wi-Fi Alliance, ein Interessenverband der Hersteller, und bezeichnet die Zertifizierung. WLAN 7 und Wi-Fi 7 meinen in der Praxis dieselbe Technik.

 

Von 802.11n bis WLAN 802.11ac: Der Weg zu Wi-Fi 7

Um die Entwicklung von Wi-Fi 7 einzuordnen, lohnt ein Blick auf die vorherigen Generationen.

802.11n, besser bekannt als WLAN 802.11n, war einer der ersten Standards, der WLAN im Unternehmenskontext wirklich praxistauglich gemacht hat. Er brachte MIMO-Technik (Multiple Input, Multiple Output) mit, wodurch mehrere Datenströme gleichzeitig über mehrere Antennen gesendet und empfangen werden konnten. Das steigerte die Reichweite und die Geschwindigkeit gegenüber den älteren Standards deutlich.

Mit WLAN 802.11ac folgte der nächste große Schritt. Der Standard setzte konsequent auf das 5-GHz-Band, breitere Kanäle und noch mehr räumliche Datenströme. Für viele Unternehmen war 802.11ac lange Jahre die Basis für stabile WLAN-Netze, da er deutlich höhere Bandbreiten als sein Vorgänger lieferte und gleichzeitig störungsärmer arbeitete als reine 2,4-GHz-Lösungen.

WLAN-Standards: Entwicklung im Zeitstrahl abgebildet

 

WLAN-Standards: die Generationen im Vergleich

Die folgende WLAN-Standards Tabelle zeigt die Entwicklung der Generationen mit den jeweils genutzten Frequenzbändern und der maximalen Datenrate.

 

GenerationIEEEDatenrate (Mbit/s)2,4 GHz5 GHz6 GHzKanalbreiteIEEE-Jahr
WLAN/Legacy802.11max. 2

-

-

1 MHz (FHSS) / ca. 22 MHz (DSSS)

1997

Wi-Fi 1802.11bmax. 11

-

-

ca. 22 MHz

1999

Wi-Fi 2802.11amax. 54

-

-

20 MHz

1999

Wi-Fi 3802.11gmax. 54

-

-

20 MHz

2003

Wi-Fi 4802.11nmax. 600

-

20 / 40 MHz

2009

Wi-Fi 5802.11acmax. 6.933

-

-

20 / 40 / 80 / 160 MHz

2013

Wi-Fi 6802.11axmax. 9.608

 -*

20 / 40 / 80 / 160 MHz

2021

Wi-Fi 6E802.11axmax. 9.608

√**

√**

20 / 40 / 80 / 160 MHz

2021

Wi-Fi 7802.11bemax. 46.120

20 / 40 / 80 / 160 / 320 MHz

2024

Die Bezeichnungen Wi-Fi 1 bis Wi-Fi 3 wurden nachträglich vergeben und sind keine offiziellen Namen der Wi-Fi Alliance.

Der Sprung von Wi-Fi 6 auf Wi-Fi 7 kommt nicht aus einer einzelnen Neuerung, sondern aus drei Faktoren gleichzeitig: doppelte Kanalbreite (320 statt 160 MHz), dichtere Modulation (4096-QAM statt 1024-QAM) und doppelt so viele parallele Datenströme (16 statt 8).

 

Wi-Fi 7 vs. Wi-Fi 6: der direkte Vergleich

Gegenüber den bisherigen WLAN-Standards bringt Wi-Fi 7 vier entscheidende Verbesserungen mit sich. Die Übertragungsgeschwindigkeit steigt spürbar an, gleichzeitig sorgt die verdoppelte Anzahl gleichzeitiger Datenströme für mehr Stabilität in Netzen mit vielen aktiven Geräten. Hinzu kommt ein überarbeitetes Latenzmanagement, das besonders zeitkritischen Anwendungen zugutekommt. Nicht zuletzt wird das 6-GHz-Band erstmals vollständig ausgeschöpft, was zusätzliche freie Kanäle und weniger Störungen bedeutet.

Breitere Kanäle für mehr Durchsatz

Wi-Fi 7 unterstützt Kanalbreiten von bis zu 320 MHz und damit doppelt so viel wie Wi-Fi 6E. Das erlaubt deutlich höhere Datenraten, insbesondere bei Anwendungen mit hohem Bandbreitenbedarf wie Videokonferenzen, großen Datenübertragungen oder Cloud-Backups.

 

Multi-Link Operation (MLO)

Eine der wichtigsten Neuerungen ist Multi-Link Operation. Erstmals nutzt ein Client zum Senden und Empfangen mehrere Frequenzbänder gleichzeitig, bündelt also etwa 5 GHz und 6 GHz oder wechselt bei Störungen ohne Abbruch. Das erhöht den Durchsatz und senkt vor allem Latenz und Jitter. Für Videokonferenzen, VoIP, Cloud-Anwendungen und Steuerungstechnik ist dieser Punkt relevanter denn je.

 

Höhere Modulation durch 4096-QAM

Mit 4096-QAM steigt die Menge an Daten, die pro Übertragungsschritt gesendet werden kann, gegenüber den 1024-QAM von Wi-Fi 6 noch einmal deutlich an. In der Praxis bedeutet das höhere theoretische Höchstgeschwindigkeiten, sofern die Umgebung ein entsprechend stabiles Signal liefert.

Wi-Fi 7 arbeitet weiterhin auf den bekannten 2,4-GHz-, 5-GHz- und 6-GHz-Bändern, kombiniert diese aber intelligenter als bisherige WLAN-Standards.

 

Preamble Puncturing und Multi-RU

Bisher musste ein breiter Kanal vollständig frei sein. Wi-Fi 7 blendet gestörte Teilbereiche aus und nutzt den Rest weiter. Zusätzlich lassen sich einem Client mehrere Funkressourcen gleichzeitig zuweisen. Beides verbessert die Auslastung in Umgebungen mit vielen benachbarten Netzen.

 

MerkmalWi-Fi 6 / 6EWi-Fi 7
Max. Übertragungsrate9,6 Gbit/s46,1 Gbit/s
Max. Kanalbreite160 MHz320 MHz
Modulation1024-QAM4096-QAM
Datenströme816
Frequenzbänder gleichzeitigneinja (Multi-Link Operation)
Umgang mit gestörten KanälenKanal wird gemiedengestörter Teilbereich wird ausgeblendet

 

Für wen lohnt sich der Umstieg auf Wi-Fi 7?

Nicht jedes Unternehmen benötigt sofort die neueste Technik. Ein Umstieg auf Wi-Fi 7 lohnt sich besonders dann, wenn:

  • viele Endgeräte gleichzeitig hohe Bandbreiten benötigen, etwa bei datenintensiven Anwendungen oder Videoübertragung (bspw. Schulen, Praxen, Hotels oder Fertigungshallen)

  • niedrige Latenzen entscheidend sind, zum Beispiel bei Echtzeitkommunikation oder industriellen Steuerungsanwendungen.

  • die bestehende Infrastruktur bereits an Kapazitätsgrenzen stößt und WLAN 802.11ac oder ältere Standards nicht mehr ausreichen.

  • eine langfristige Investition in die Netzwerkstruktur geplant ist und Zukunftssicherheit eine Rolle spielt bspw. bei Neubau und Erstausstattung. 

Für kleinere Netzwerke mit überschaubarer Geräteanzahl und moderatem Bandbreitenbedarf bieten Wi-Fi 6 oder Wi-Fi 6E dagegen häufig weiterhin eine solide Grundlage. Hier ist generalüberholte Wi-Fi 6 Hardware oft die wirtschaftlichere Wahl, insbesondere für Erweiterungen mit identischen Modellen. Ein gemischter Ausbau funktioniert ebenfalls: Wi-Fi 7 in Bereichen mit hoher Last, Wi-Fi 6 in Lager, Flur und Nebenräumen.

 

Was Unternehmen vor der Anschaffung beachten sollten

Der reine Umstieg auf einen neuen WLAN-Standard bringt nur dann echten Mehrwert, wenn die restliche Infrastruktur mitzieht. Dazu zählen unter anderem ausreichend leistungsfähige Switches mit entsprechender Portgeschwindigkeit, eine saubere Planung der Funkzellen sowie kompatible Endgeräte, die Wi-Fi 7 überhaupt unterstützen.

Auch die Kompatibilität zu bestehender Hardware spielt eine Rolle. Da Wi-Fi 7 abwärtskompatibel ist, lassen sich ältere Geräte weiterhin problemlos einbinden, profitieren aber nicht von allen neuen Funktionen.

 

Fazit

Wi-Fi 7 markiert einen deutlichen technischen Fortschritt gegenüber den bisherigen WLAN-Standards. Breitere Kanäle, Multi-Link Operation und eine höhere Modulation sorgen für mehr Geschwindigkeit, geringere Latenzen und stabilere Verbindungen. Ob sich der Umstieg bereits jetzt lohnt, hängt jedoch stark vom individuellen Bedarf ab. Unternehmen mit hohem Datenaufkommen und vielen gleichzeitig aktiven Endgeräten profitieren besonders schnell, während für andere Wi-Fi 6 oder Wi-Fi 6E weiterhin ausreichend sein können.

 

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FAQ: Häufige Fragen zu WLAN-Standards und Wi-Fi 7

Was unterscheidet Wi-Fi 7 von WLAN 802.11ac und Wi-Fi 6?
WLAN 802.11ac und Wi-Fi 6 arbeiten mit kleineren Kanalbreiten und geringerer Modulation. Wi-Fi 7 (802.11be) unterstützt Kanäle bis 320 MHz, 4096-QAM und Multi-Link Operation, wodurch höhere Geschwindigkeiten und stabilere Verbindungen möglich werden.

Ist Wi-Fi 7 abwärtskompatibel zu älteren WLAN-Standards wie 802.11n?
Ja, Wi-Fi 7 ist abwärtskompatibel. Geräte, die noch mit 802.11n oder WLAN 802.11ac arbeiten, lassen sich weiterhin einbinden, nutzen aber nicht die neuen Funktionen von Wi-Fi 7.

Benötige ich neue Hardware, um Wi-Fi 7 zu nutzen?
Ja, sowohl die Access Points als auch die Endgeräte müssen Wi-Fi 7 unterstützen. Zusätzlich sollte die restliche Netzwerkinfrastruktur, etwa Switches und Verkabelung, entsprechend leistungsfähig ausgelegt sein.

Lohnt sich der Umstieg von Wi-Fi 6 auf Wi-Fi 7 bereits jetzt?
Das hängt vom Bedarf ab. Bei hohem Datenaufkommen, vielen gleichzeitig aktiven Geräten oder geplanten Neuanschaffungen lohnt sich Wi-Fi 7 bereits heute. Für kleinere Netzwerke reicht Wi-Fi 6 oder Wi-Fi 6E häufig weiterhin aus.